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#ecco12 Konferenzzwitschern


Recht hat er, der @mebner mit seinem Kommentar, dass Gleiches was @mediendidaktik_in seinem Twitter-Debakel-Artikel konstatiert, bereits in folgender Untersuchung aus 2010 erkannt und benannt.

Kurze inhaltliche Zusammenfassung
Nach der Einordnung von Twitter als Kommunikationsmittel auf und von Konferenzen in einen Reigen von Nutzungsmöglichkeiten wird kurz darauf eingegangen, was Twitter eigentlich ist und wie es funktioniert. Neben einer Art “inoffizieller” Twitter-Nutzung werden Möglichkeiten einer intendierten Nutzung, wie z.B. im Rahmen der Konferenzorganisation vorgestellt und kurz erläutert, bevor es zur Vorstellung der eigentlichen Studie, der Hauptsache, kommt.
Diese bestand darin etwas mehr als 2.000 Tweets abgesetzt während des EduCamps in Hamburg (#ec10hh) in zwei Schritten zu analysieren. Schritt 1 bestand in einer FCA (Formal Content Analysis), bitte selber nachlesen was das ist, die in dem Ergebnis resultierte, dass die Tweets per Hand zugeordnet werden müssten, was dann auch – und zwar in die Kategorien a) Für Außenstehende total irrelevante Tweets b) Orga-Tweets c) relevante Tweets – Diskussion und d) relevante Tweets – geschah.
An Ergebnis habe ich für mich rausgezogen, dass es unheimlich viele Retweets gab, dass es in die Relevanz-Kategorie gerade mal 6% geschafft haben, und dass die Nutzung von Twitter wohl in diesem Zusammenhang anderen Funktionen als Außenstehende zu informieren besser gedient hat. Wie z.B. Selbstdarstellung und -vermarktung und Beziehungsdemonstration.

Mögen wir es auch nicht primär darauf anlegen, dass eine Außenstehende/Nicht-Teilnehmerin die Möglichkeit bekommen soll, “to get an overview about the conference topics, the main assumptions or statements” (S. 8), so könnte man als Außenstehende dennoch auf die Idee kommen, genau jenes über den nach entsprechendem Hashtag gefilterten Twitter-Stream “abzugreifen”.

Jedoch:

“For a non-participant of a conference who likes to monitor the event by checking the Twitter live stream it turned out to be a hard job.” (ebd.)

Ich habe demnächst – einmal mehr – die Chance, es zu versuchen. Nämlich beim anstehenden #ecco12, für das ich mich gerade – aufgrund Terminkollision mit meinem kleinen Winter-Urlaub im Bayerischen Wald – anständig und wie zurecht von @e_trude hier eingefordert, abgemeldet habe.

Offensichtlich kein (ganz) leichtes Vorhaben. Obige Analyse schließt jedoch mit hoffnungsvollen Worten und Wünschen zur Lernfähigkeit (S. 9):

“Nevertheless, Twitter is a “new” tool andtherefore adaptions of new forms of communication, e.g. etiquette for documentation of conference for outsiders or a more focused usage of tweets by the presenters or conference organisers could many [much?; mons7] influence future usage.”

Und auch ich möchte natürlich nicht beim “So mache ich das eben” stehen bleiben, sondern mein eigenes Twitter-Verhalten refelktieren und optimieren. Das als Rezipientin (Stichpunkte dazu unter 1.) als auch als Produzentin von Tweets (Stichtunkte dazu unter 2.).

1. Mögliche Strategien für mich als Nicht-Teilnehmerin, doch etwas ab- und mitzubekommen

  • Anwensende Twitterati direkt ansprechen und um Bericht bitten. Wie Beispielsweise hier die indirekte Bitte von @designeon an @khpape.
  • Rückfragen stellen
  • Auf Tweets achten, die Livestream ankündigen
  • Tweets suchen, die auf weiterführende Blog-Posts verweisen

… also zusammenfassend Informationen extrahieren, die auf erweiterte (An-)Teilnahmemöglichkeit hin- und verweisen. Es beim Twitter-Live-Stream also nicht als alleinige Informationsquelle belassen.

2. (Mögliche) Strategien für mich als demnächst wieder Teilnehmerin, es Außenstehenden leichter zu machen, etwas von den Inhalten, Standpunkten und Diskussionen mitzubekommen

  • Sich suchen und finden-Tweets über DMs abwickeln
  • Für speziellen Vortrag/spezielle Session zusätzlich zweiten Hashtag einführen und verwenden
  • Evtl. von anderem Account aus twittern?
  • Statt Twitter als “public notepad” nutzen, lieber Etherpad verwenden und via Tweet darauf verweisen
  • Klar (sprachlich) kennzeichnen, ob es sich um Zitat handelt, um eigenen weiterführenden Gedanken oder um Kommentierung des Gehörten
  • Orga-Tweets zur Kenntnis nehmen, aber nicht weiter vertwittern
  • Beziehungs-Tweets beschränken, dafür Beziehungen offline pflegen
  • Mir beim Twittern konkrete Zielgruppe (also versuchsweise Außenstehende) vor Augen halten.

Und vielleicht umfasst genau jener letzte Aspekt alle davor. Überhaupt einmal das (potentielle) Gegenüber in betracht zu ziehen, bevor ich twittere. Sozusagen ein

Think of Her before you tweet!

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#ecbi11 – kurz und intensiv –


Ich kann es kaum glauben, dass es schon wieder herum sein soll, das diesherbstliche EduCamp im sehr wohl existierenden Bielefeld #ecbi11… und noch weniger, dass ich obwohl am Freitag bereits angereist und bis Samstag am späten Nachmittag verblieben, ich lediglich an 2 Session teilgenommen habe (eine davon quasi meine eigene ;) ).

Jedoch auch jede andere Minute meiner dort verbrachten Zeit war mir goldwert!

Für alle Daheimgebliebenen meine kurzen Nachgedanken zu genau diesen zwei Sessions:

1. “Ich drück’ Dich, denn Dich wollte ich immer schon mal zwischen die Finger kriegen!” Das ultimative Twitterer-Treffen von Twitterern, die sich von Twitter her “kennen”
Leider habe ich mir keine Tweet-Notizen machen können (#ausgründen), ich muss mich also auf meine Erinnerung verlassen und ermuntere hiermit ausdrücklich zu Ergänzungen als Kommentare. Zunächst einmal augeräumt mit Vorurteilen: Es handelte sich um KEINE Kuschel-Session oder etwas in der Art ;) … das hatten wir alle zwischendurch und vorab schon hinter uns gebracht. Vielmehr entspann sich eine Austausch- und Feedback-Runde zu u.a. folgenden Aspekten des eigenen Gebrauchs von Twitter.

– Motivation, Twitter zu nutzen
Von einer gefühlten Mehrheit der Anwesenden wurde Twitter zum Austausch über ein gewisses Fachthema benutzt, von einer relevanten Minderheit als Informationsbeschaffungstool über ein gewisses Interessengebiet.

– Erste Anlaufschwierigekeiten im Gebrauch von Twitter
So gut wie alle Anwesenden konnten über anfängliche Anlaufschwierigkeiten im Umgang mit Twitter berichten, die sich nicht auf die technische Bedienbarkeit bezogen. Offensichtlich bedarf es einer gewissen Hartnäckigkeit, einer Einübung bzw. eines Entwickeln des Umgangs mit dem Tool, der für den Nutzer individuell Sinn macht.

– Wie nehme ich mein Gegenüber wahr, vormals lediglich über Twitter bekannt, jetzt wo es mir gegenüber sitzt?
Da alle Anwesenden offensichtlich eher in authentischer Art und Weise twittern, erkannte man sich gegenseitig recht schnell. Je näher der Avatar (nennt man das dem Twitter-Account zugehörige Bildchen auch schon Avatar?) optisch am Original, desto schneller. Allerdings ist mir persönlich aufgefallen, dass bestimmte Aspekte einer Person über die Twitterei verstärkt werden, im Original dann wegen des Facettenreichtums des Gegenübers dann nicht in dieser Stärke wahrnehmbar sind. Es findet also im Einzelfall anscheinend eine Art “Verzerrung” statt.
Konkrete Beispiele:
Den @VolkmarLa empfinde ich auf Twitter wie auch f2f absolut stimmig. Er hat es weder auf Twitter noch f2f nötig, seine Kompetenz irgend jemandem verbal aufzudrücken. Die strahlt er einfach aus.
Die @_Rya_ hat durchaus Gefühl, Feuer und Pfeffer (wie man auf Twitter verfolgen kann), allerdings hat sie genauso eine sachliche, diskursive Seite.
Schade, dass man das Lachen der @dieHauteCulture über Twitter nicht hören kann, man kann gar nicht anders, als spontan einzustimmen.
Der Humor der @e_trude erfordert sowohl auf Twitter als auch f2f ein gewisses Maß an bei der Leserin vorhandener Intelligenz. F2f merkt man nur schneller, wenn man ihn mal (wieder nicht gleich) kapiert hat und mal das Hirn einschalten oder weiterdenken könnte.

– Wie viel Persönlichkeit ist zum Twittern nötig, wie viel Privatheit ist möglich?
Der Grat auf dem man sich hier bewegen kann, ist anscheinend breiter als wir denken, allerdings vermisst den jeder anders. Über ganz grundlegende Ansichten (gleichsam der Mitte des Grats) waren wir uns ziemlich einig, ging es um Spezielles kam schnell zu Tage, dass was für den einen gar notwendig war zu twittern, um Verbundenheit mit Followern und Followees zu empfinden, für den anderen schon den Absturz bedeutete.

2. #opco11 #ocwl11 #change11 … ein MOOC-Klassentreffen zum f2f-Austausch über eigene MOOC-Teilnahmen
Interessant an dieser Session waren für mich u.a. die TeilnehmerInnen. Bei einigen von ihnen handelte es sich doch in der Tat um solche, die sowohl den #opco11 mitbekommen hatten, als auch zur Zeit den #ocwl11 und den #change11 zumindest beobachteten. Sozusagen wie ich. Und trotzdem gleiche Strukturen, gleiche Sachverhalte aus deren Perspektive heraus durchaus anders bewerteten als ich das tue.

– Struktur und Regelmäßigkeit wird als essentiell angesehen
Einigkeit herrschte zumindest in dem Aspekt, dass bei einem MOOC Struktur und Regelmäßigkeit als essentiell betrachtet werden. Als positive Beispiele wurden hier die Sessions mittwochs um 17.00 Uhr während des #opco11 genannt, was eine gewisse “Vorplanung”, ein Zeit freihalten ermögliche. Negativ hingegen die Sessionplanung des derzeit laufenden #change11, bei dem man die Zeit und den Tag erst relativ kurzfristig vorher erfahre (was ich jetzt nicht bestätigen kann, da ich den #change11 nicht in der Regelmäßigkeit verfolge. Dies scheint im Übrigen – aus welchen Gründe auch immer – einigen anderen Anwesenden auch so zu ergehen, nach deren Aussage wie auch nach meiner liegt das allerdings NICHT an der englischen Sprache.).

– Zeitliche Taktung für jeden anders genehm
Bei der Taktung allerdings gingen die Meinungen schon wieder auseinander. Dem einen war die wöchentliche Taktung genehm, der nächsten hätten 2 Wochen pro Thema besser getaugt.

– MOOC eine Form des BlogCarnivals XXL?
Sehr witzig fand ich die Bezeichnung von @ralfa, der sich einen MOOC im Prinzip als einen BlogCarnival XXL vorstellte, …. was ich für ein weiterdenkenswertes (und umsetzbares) Konzept halte, das auch dem Veranstalter nicht allzu viel aufbürdet.

– Potentielle Zwei-Wege-Kommunikation wird als essentiell erachtet
Was allgemein abgelehnt wurde war das Konzept des einen Experten, der die Teilnehmerinnnen des MOOCS als zu beschulen und zu baschallen betrachte, vielmehr wurde gerade die Haltung des Experten unter Experten als fruchtbar für das eigene Lernen erachtet.

…. …. Oder habe ich da was falsch verstanden? Etwas vergessen?

Man und frau ergänze und korrigiere mich. Umgehend! :)

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Das Educamp Ausgabe #echb11 – diesmal von Außen


Kurzfristig wurde es von meiner Seite aus nichts (ab wann gilt man eigentlich – dies als Nachfrage an die Veranstalter – als “noshow”?… und was wird mit denen gemacht??), mit meiner Teilnahme am Educamp in Bremen, was mich zeitweise sehr bedrückt hat. Dafür hatte ich einmal mehr die Chance, ein Educamp von Außen mitzuverfolgen.

Um eines vorab klarzustellen. Mir geht es nicht ums Einfangen der Stimmung (die war anscheinend hervorragend), nicht um die Beurteilung der Location (die war anscheinend außerordentlich und ungewöhnlich), noch um eine möglichst lückenlose Dokumentation, was denn bei mir als Außenstehender hätte ankommen können. Hier und hier mag sich die ebenfalls Außenstehende ein Bild verschaffen.

Nein, mir geht es lediglich um die Darstellung der subjektiven Erfahrung, was dabei hier vom Inhaltlichen her zwischen Gassi, Kaffe trinken und sonstigen Verfplichtungen, angekommen ist.

Vorhang auf.

Da gab es z.B. die – insbesondere im statistischen Teil (Und? Wie hoch ist euer GTI-Index?) äußerst witzige und kurzweilige Twitterlesung von @jowede. Der im Übrigen auch nicht ganz life dabei war.

Da gab es ein gar dubioses (weil für mich nur teilweise verfolgbares) Google-Quiz. Das gar in der Gründung einer Facebook-Fanpage mündete.

Da gab es die Sessions, an denen ich von Außen nur sporadisch teilgenommen habe, und die ich jetzt erst nach und nach nachverfolge. Ich stürtze mich deshalb auf die Dokumentation des #echb11, um der Quellen, die mir entglitten sind, wieder habhaft zu werden. Ich klicke mich durch die Teile der Mixxt-Matrix, hinter denen kein Fragezeichen platziert ist. Und erfreue mich an den bereits auf der Doku-Seite eingestellten Videos.

Dieser Außenblick hat mich einmal mehr grundsätzlich über die Web 2.0-Kultur in Grübeln gebracht.

Mein Zwischen-Fazit zum Web 2.0 (zu der auch das EduCamp an sich gehört) oder
Web 2.0 – was es bringt und wo es hinkt

Das Web 2.0, was auch immer genau darunter verstanden sein mag oder was dahinter stehe, hat für mich einige (Plus-)Punkte in mein Leben gebracht, die ich keinesfalls mehr missen möchte. Allerdings habe ich auch mit einigen Nachteilen zu kämpfen, denen ich auf die eine oder andere Art versuche entgegenzuwirken. Das Für und Wider in Stichpunkten:

(+) Soziale Einbindung
Es erfreut einfach zutiefst mein Herz, wenn ich wissenschaftliche Artikel lese, die mich thematisch interessieren UND ich die Autoren persönlich kenne. Es erfreut mich zutiefst, im Internet Spuren zu verfolgen, die mich auf Seiten tragen, auf denen als Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter vom Fach vorgestellt werden, mit denen ich mich auf Twitter (oder EduCamps) austausche.

(+) Orientierung und Verweis
Ich erhalte Orientierung, an welchen “Problemfeldern” gerade geforscht und gearbeitet wird, wer an was dran ist und wohin ich mich bei tiefergehendem Interesse wenden kann.

(+) Lernen durch Lehren
Dadurch, dass ich mich – aufgrund z.B. einer Session – mit dem Thema so auseinandersetzen muss, dass ich meine Überlegungen und Erkenntniss (in möglichst verständlicher Form) explizieren kann, bringt diese Gedanken und Erkenntnisse an sich schon weiter, verstärkt noch durch das darauf folgende Feedback.

(-) Faszination
Ein (eigentlich) positiv belegtes Wort. Ein Zustand jedoch – so die Schattenseite – der mich oftmals daran hindert, dass ich mich einige Stunden zurückziehe, um einen linearen Text am Stück zu rezipieren oder zu formulieren.

(-) Übersicht zu Lasten von Tiefe
Die vielen “Baustellen”, die es wohl alle wert sind, dass man sich an ihnen konstuktiv beteiligt führen bei mir gelegentlich dazu, überall mal eine Schippe Sand draufzuwerfen, jedoch nirgends ein größeres Loch zu graben.

… apropos Baustelle, …. da hab’ ich ja noch eine, mit der ich ganz in Verzug geraten bin. Ich geh’ dann mal schnell ‘ne Schippe draufwerfen ;)

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Ein Lob der löblichen Netzwerkelei


Bildquelle. Jetzt ist sie total verrückt geworden. Mag sich der eine oder die andere denken. Am Samstag behauptet Sie dies, am Sonntag das genaue Gegenteil. Aber so ist das nun einmal, sogar in der Wissenschaft: These, Antithese … und Morgen schiebe ich dann noch die Synthese hinterher ;) .

Zum Nachdenken angeregt hat mich der Kommentar von Damian, zum Lachen und weiterdenken derjenigen von Alexander. Und mich zum Erinnern.

Einst zog ich als junges Mädel aus aus meinem Dorf, da ich feststellte, dass sich dort nur 5% Gleichgesinnte für mich fanden (was bei nicht mal 500 Einwohnern gefühlt einfach zu wenige waren).
Ich zog also in die große Stadt, wo ich feststellte, dass die Gleichgesinnten zwar wohl vorhanden sein müssten, aber wohl auch viel schwieriger zu finden (Nadel im Heuhaufen-Prinzip). Also konzentrierte ich meine Suche auf die dortige Universität, wo ich – wer hätte es gedacht – auch wieder nur 5% Gleichgesinnte fand.

Frustriert begann ich einen Aushilfsjob bei der Post, um mir eine Pause von der Suche zu gönnen, und wer hätt’s gedacht: Wiederum eine Quote von 5% Gleichgesinnten.

Der Durchbruch hat dann doch irgendwie das Internet gebracht. Mehr Menschen, größere Trefferquote in punkto Gleichgesinnte.

Bleibt die Frage: WER sind “Gleichgesinnte” denn eigentlich genau… und zum zweiten: WIE GENAU findet man die eigentlich?

Ich erbitte um erneut so anregende Kommentare wie die gestrigen!
Jetzt.

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Wider die widerliche Netzwerkelei!


Bildquelle. Ich weiss. Die Übeschrift mag seltsam anmuten in Zeiten, zu denen Facebook & Co. so hoch im Kurs stehen. Und dann noch aus der Tastatur einer, die sich in den Sozialen Medien wie der sprichwörtliche Fisch im Wasser zu fühlen scheint. Trotzdem kam mir dieser Gedanke schon des Öfteren, vermehrt wieder in der letzten Zeit. Gebt mir einen Moment eurer Zeit, ihn zu erläutern.

Oder besser gesagt zu erläutern, was ich unter Netzwerkelei gerade nicht verstehe. Wenn ich z.B. auf ein EduCamp gehe, dann tue ich das, weil mich die Themen interessieren und ich einige der Menschen dort gerne mag. Aber dann bin ich dort a) wegen den Inhalten und b) weil es mir im Hier & Jetzt eben Freude bereitet. Unter Netzwerkelei, gegen die ich gerad zu Felde ziehe, verstehe ich den Aufenthalt auf einer Veranstaltung – wie z.B. auf einem EduCamp – nur zu dem Zwecke Kontakte zu knüpfen, die ich potentiell zu einem späteren Zeitpunkt in meinem Leben mal brauchen könnte. Und das mag ich nicht. Und das aus dreierlei Gründen.

1. Netzwerken im o.g. Sinne kostet Zeit, die ich schöner verbringen mag.

Bin ich nicht wegen des Hier & Jetzt auf einer Veranstaltung, sondern wegen eines möglichen Vorteils in meiner möglichen Zukunft, so kann ich mir zu dem Zeitpunkt (im Hier & Jetzt nämlich) tausend Dinge vorstellen, die ich dann lieber täte:
– mit dem Hund über die Felder spazieren,
– im Internet surfen,
– ein gutes Buch lesen,
– einen Blogpost schreiben,
– mit meinen Eltern telefonieren,
– schlafen,
– kochen, … [beliebig und unendlich erweiterbar].

2. Netzwerken im o.g. Sinne bringt weder mir noch dem Gegenüber wirklich etwas.
Zu den raren Gelegenheiten, zu denen ich im Hinterkopf je hatte, dass das Gegenüber, mit dem ich mich gerade abgab ein Entscheidungsträger im weitesten Sinne sei, die einen von mir wie auch immer gearteten begehrten Sachverhalt betraf, hat sich dieses Gegenüber nicht einmal letztendlich für mich entschieden. Sondern (wahrscheinlich) für jemanden, den er einfach mochte. So wie ich es auch tue. Wenn ich – was selten genug vorkommt – irgendein attraktives Gut zu vergeben habe, dann schaue ich bestimmt nicht meine XING-Kontakte durch. Genau. Was war das kürzlich? Meine Kamera. Ich stelle in den Raum, dass diese zu vergeben sei. Je näher mir die Person steht, die ihr Interesse bekundet, desto geschenkter bekommt sie sie. Je entfernter sie mir steht, desto näher am Marktpreis orientiert ist mein Preis. Gut. Das ist nur eine Kamera. Aber warum sollte ich es z.B. mit einem Job den ich zu vergeben hätte vom Prinzip her anders machen?

3. Netzwerken im o.g. Sinne potenziert Spam.
Vernetze ich mich mit Menschen, die sich um des Vernetzens vernetzen, so überziehen mich diese alsbald mit Nachrichten, die nichts – aber auch gar nichts – mit meinen Interessen zu tun haben. Sie schreiben über ihre. Weswegen sie sich ja wahrscheinlich vernetzen wollten. Um die Reichweite ihrer Botschaft zu erhöhen. Nur erhöhre ich deren Botschaft nicht, weil diese – i.d.R. – keine Resonanz bei mir findet.

Ergo: Vernetzt euch mit mir, weil ich euch oder ihr mich oder wir uns – aus welchem Grunde auch immer – mögen. Oder weil wir uns vorstellen können, uns zu mögen.

Aber nicht, weil ihr glaubt, dass ich euch irgendwann zu irgend etwas einmal Nütze sein könnte. Denn das kann ich euch sagen: Da stehen die Chancen schlecht. Nicht einmal mehr eine Kamera habe ich zu vergeben ;)

Gute Nacht.

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#ecac10 #educamp Bericht!


Mit einer Woche Verspätung nun mein Bericht zu einem neuerlichem Educamp, nämlich demjenigen in Aachen.  Unvergleichlich, denn so habe ich mittlerweile gelernt:

Jedes Educamp ist anders! In jedem stecken neue Abenteuer! Meine ganz persönlichen Session-Abenteuer waren dreierlei, nämlich:

1. diejenige zu Augmented Reality

Da ich bis dato selbst nicht genau wusste, was Augmented Reality denn ist, und mich auch nicht bemüßigt fühlte, dies in der Wikipedia nachzuschlagen, vorab in aller Kürze:  Augmented Reality heißt auf deutsch soviel wie erweiterte Realität. Die Realität wird (bisher lediglich) insofern erweitert, als via Computer im weitesten Sinne irgendwelche visuellen Darstellungen oder Informationen eingeblendet bzw. damit die Realität (teilweise) überlagert wird. Genau. Deshalb ein Beispiel: Man hat eine Spezial-Brille auf, mit der man an einer Reihe Bäume vorbeiläuft. Am Stamm eines jeden gibt es ein Wort zu lesen, z.B. “Buche”, “Eiche” … oder eben (im Idealfall) das passende Wort zum passenden Baum. (Das war jetzt ein ganz simples Beispiel). Vom Technischen her geht schon viel mehr, allerdings scheint es auch noch einige Bugs zu haben … und das eine oder andere Programm ist wohl noch unvollendet.

Interessant an der Session fand ich, dass es also mehr braucht. Nicht nur auf der einen Seite gute Programmierer, sondern auch auf der anderen Seite gute Ideen für Anwendung der netten neuen Möglichkeiten.

Erschreckend für mich, wie abwehrend und phantasielos wir Pädagogen (ja, ich schließe mich da mal jetzt ein) bisher mit den neuen Möglichkeiten umzugehen scheinen. Offensichtlich wollen wir den Test der Anwendung und die Weiterentwicklung mal wieder dem Militär überlassen ;) .

2. die zum FabLab

Ja was ist denn das schon wieder? Ich wusste vor Teilnahme an der Session auch nur grob, dass es um 3D-Drucker geht, eine neue Leidenschaft von mir (Bausatz schon bestellt ;) ). Ein FabLab (zumindest das an der RWTH Aachen) ist nun eine Ansammlung verschiedener Arten dieser, die – man stelle sich vor – man stundenweise à la open acess für umme mieten kann. Kann das wahr sein? Zu schade, dass ich nicht näher an Aachen wohne, da würde ich mich doch glatt den einen oder anderen Tag einmieten – einfach nur so … zum Spielen ;)

3. die Podcasting Session zum Thema Neue Lernkultur

Ja. Und genau das haben wir gemacht. Einen Podcast produziert, unter Anleitung des genialen Andreas Auwärter. Und genial ist nicht nur dieser, sondern war auch die flirrende funkende Kreativität in der Luft, die Adreanlinstöße am Mikro, der leichte Zeitdruck, die Lust am Thema.

Aus dieser Session habe ich – vom pädagogischen Aspekt her – die größten Lehren für mich gezogen, die ich in drei kleinen Thesen formulieren will:

a. Ein vorgegebener Rahmen schränkt nicht zwangsweise ein, sondern kann u.U. befreien, sich thematisch zu fokussieren.
b. Ein attraktives Ziel (Produkt) kombiniert mit ein bisschen Zeitdruck hat das Potential, kreative Funken fliegen zu lassen.
c. Das Vertrauen in vorhandene Kompetenzen und Qualitäten lässt diese erst zu.

(Was ich mir noch auf breiterer Basis zu beweisen hätte, als erstes Indiz unser Produkt zum Anhören, wohlgemerkt erstellt in 45 Minuten)

Und von all dem ganz abgesehen gab es ja auch noch die kleinen Freuden am Rande, die nicht unerwähnt bleiben sollen: super Menschen, super Kneipen, tolle Projekte, mega Inspiration. Da würde man sich doch am liebsten gleich für Bremen anmelden!

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Web 2.0 – ist … oder wird (doch) gemacht?


Ich war da… auf dem EduCamp Aachen (wer ein bisschen – in 140 Zeichen – darüber nachlesen will, der suche schnell noch auf Twitter nach #ecac10 #educamp, bevor die Tweets im Twitternirvana verschwinden). Aus der puren Angst, dass mir einige wichtige Gedanken und Aspekte verloren gehen, habe ich einige Beiträge für die Lernspielwiese schon dort angelegt, mit dem lesbar machen, ergänzen und sprachlich abrunden werde ich mich diese Woche beschäftigen, ihr könnt euch also auf eine (wieder) höhere Beitragsdichte freuen … bzw. gefasst machen ;)

Eine These, die ich vor einigen Monaten schon einmal aufgestellt hatte, nämlich folgende:

WEB 2.0 GIBT ES NICHT PER SE UND IST AUCH NICHTS BESTÄNDIGES, SONDERN WIRD IMMER WIEDER AKTIV VON MENSCHEN EINER COMMUNITY, DIE SICH DIESER ZUGEHÖRIG FÜHLEN, HERGESTELLT.

hat sich mir erneut aufgedrängt.

Dieses “immer wieder herstellen” geschieht m.E. nicht nur online, sondern eben auch auf solchen Veranstaltungen wie Educamps.

Dieses “herstellen” kann via Bruno Latours ANT beschreibbar gemacht werden (so hoffe ich zumindest).

Über die Beteiligung vieler (die sich unterschiedliche Begriffe von Web 2.0 machen) wird die Voraussetzung geschaffen, den Begriff – über ständigen Austausch und versuchte Einigung darüber – (und damit dessen vermeintliche Bedeutung) am Leben zu halten.

Oder so ähnlich.

Und um’s genauer zu machen … geh’ ich jetzt erst einmal eine Runde Latour lesen.

Wir lesen uns.

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