Was traditionell organisierte Weiterbildung kann!
Ich bin ja keine wirkliche Freundin traditionell organisierter Weiterbildungsmaßnahmen. [Die Gründe hierfür verkneife ich mir an dieser Stelle.] Ein nicht zu verachtender Vorzug davon ist jedoch, dass diese mir – zumindest für einen gewissen Zeitraum – einen geschützten Raum verschafft, in den weder mein Privatleben noch die Anforderungen meiner Erwerbsarbeit hineinschwappen können. Will heißen konkret, Hund & Co. sind anderweitig versorgt, ich muss mir also keine Sorgen machen, auf Arbeit ist der AB angeschalten, wendet sich jemand via E-Mail an mich, erledigt die Beantwortung erst einmal die Auto-Reply-Funktion. Weil ich bin ja auf Weiterbildung. Ich habe und bin frei fürs Lernen.
Und das sehe ich als die eigentliche und wahrliche Leistung einer Weiterbildungsmaßnahme.
Selber Lernen gibt’s nur im “Gesamtpaket”
Nehme ich nun aber mein Lernen in die eigene Hand, so ist im mir angeeigneten Gesamtpaket auch genau diese Aufgabe mitenthalten, die ich nun selbst erledigen muss. Und damit haben wohl wir alle schon unsere Erfahrungen gemacht. Und dass wir alle im Umgang damit der oft weniger als mehr erfolgreich sind, spiegelt sich in der gesunden Skepsis ob ich auch wohl genug Zeit erübrigen kann, sobald die Entscheidung ansteht, etwas lernen zu wollen. Beispiele gefällig?
MOOCige Beispiele gefällig?
Joachim Sucker, seines Zeichens Marketing-Leiter einer großen Volkshochschule, schreibt hier um das von mir oben beschriebene Problem sehr wohl wissend: “Gerne bin ich dabei, aber noch unsicher, ob ich ausreichend Zeit einbringen kann.” Oder gleich der nächste Kommentar von Ludwig, IT Consultant für Collaboration und Wissensmanagement mit Sharepoint, da: “Da ich zum Januar den Arbeitgeber wechsle, ist meine Teilnahme vorbehaltlich, da sich der Zeitaufwand bei der Einarbeitung noch nicht abschätzen lässt.” Und wenn ihr euch die Mühe machen wollt und mal weiter die Anmeldekommentare runtercrollt (und auch durchlest), werdet ihr das gleiche Thema in immer wieder anderer und personalisierter Form wiederentdecken.
Und selbst auf Twitter wird man, bei unserem geschätzten @jowede fündig.
gefühlt ist der #mmc13 ja schon losgegangen; so viele Links verfolgen, zu lesen und zu kommentieren. Hab aber noch kein Zeitbudget dafür ;-(
— Joachim Wedekind (@jowede) Januar 9, 2013
Wir jedoch von Veranstalterseite sind schon froh, dass er sich die Zeit als Experte on Air zu fungieren aus den Rippen schneidet.
Die Bildungswilligen sind sich – aufgrund ihrer Vorbildung – wohl sehr bewusst, mit welchen Herausforderungen diese Bildung einhergeht. Meine bescheidenen Lösungsansätze dazu im Folgenden.
Die Zeit nehm’ ich mir. Nur wie?
Spontan fallen mir 6 Strategien ein, die ich – einzeln oder in Kombi – immer mal wieder ausprobiert habe.
1. Tabs schließen
Ja. Es tut mir echt leid. Insbesondere Twitter ist ja Quelle meiner Inspiration. Dennoch tut es ab und an Not, euch mal kurz “abzuklemmen”. Ich lasse dann am Computer nur noch DAS Tab auf (wenn die Tabs, dann sind das nur andere Ansichten des Gleichen), so manches Mal bin ich sogar NOCH radikaler… und kehre für eineinhalb Stündchen zu Papier und Stabilo bionic zurück.
2. Zeitblöcke reservieren
Sobald ich mal aktiv in den Kalender (ich nutze derzeit den Google Calender) eintrage, was ich alles “so nebenbei” mit zu erledigen gedenke, wird mir klar, warum ich das manchmal mehr schlecht als recht oder im Extremfall erst gar nicht schaffe. Weil eben (auch) mein Tag nur 24 Stunden hat. Und da passt mitnichten das alles rein, was ich mir – so virtuell und unbedarft aller zeitlichen Beschränktheit – so vornehme. Ich habe mir deshalb für den #mmc13 bestimmte Zeitblöcke im Kalender einfach eingeplant. Damit ich zumindest zur Live-Session dann virtuell in Erscheinung trete.
3. Mit Örtlichkeiten experimentieren
Ich arbeite in einem Büro mit 5 Kolleginnen. Und ich liebe es. Nichts desto trotz gibt es kurze Zeiteinheiten, während derer ich es hasse. Dann, wenn ich texten will/soll. Dann, wenn ich denken will. Ohne Ablenkung sein will. Dafür habe ich einen super tollen Platz entdeckt. Den Stillarbeitsplatz in der Bibliothek nebenan… mit W-LAN.
) … Dahin verzupfe ich mich bei Gelegeneheit… um effizienter arbeiten zu können.
So daheim. Da gehe ich mal in die Küche, wenn’s nicht mehr flutscht, … oder oben in den Bio-Landen, wenn’s so gar nicht mehr funzt.
4. Genug ist genug – Meine 3 Prios
Sozusagen arbeiten auf mehreren Baustellen. Und dadurch geht’s bei keiner so richtig voran. Vielleicht hilft ein kleiner Spickzettel in der Hosentasche (also mir hilft er gelegentlich
), welche drei der vielen Baustellen die sind, die mir wirklich am Herzen liegen. Kommen zu viele Aufgabe gleichzeitig auf mich zu, ziehe ich galant den verknüllten Zettel aus der Tasche, und gleiche ab, welche der Aufgaben den drei Posten zuordenbar wären. Und die erachte ich dann als wichtig.
Schon mal probiert?
5. Abmachungen – einhalten und einfordern
Oder noch besser, gar nicht erst soviel abmachen. Aber in diesem Punkt bin ich ganz schlecht, weil er etwa die Qualität eines Sylvester-Vorsatzes hat. Zu unkonkret und zu ungewohnt.
6. Zeiten künstlich ausdehnen
Könnt ihr euch noch an Vor-Smartphone-Zeiten erinnern? Als man im Supermarkt in der langen Schlange an der Kasse stand. Oder in der U-Bahn unauffällig herumschaute, wer da noch so sitzt. Zwischendurch den Blick nach draußen schweifen lassend. Eigentlich langweilig. Jetzt muss ich aufpassen, nicht vergessen auszusteigen. Freue mich über die Kassenschlange, weil ich dadurch zehn zwanzig Tweets zurücklesen kann.
Morgen werde ich probeweise mal wieder aus dem Fenster schauen. Mal sehen, wie viel Zeit ich dabei gewinnen kann.
Ihr so?
Meine oben dargestellten “Gegenmaßnahmen” gegen den hektischen Zeitgeist sind – zumindest für mich – nicht wirklich immer erfolgreich. Denn es braucht eben schon einiges, sich gegen einen Zeitgeist zu stemmen. Deshalb meine Frage an euch. Habt ihr weitere/andere Strategien? Dann her damit. Als Kommentar. Und zwar jetzt. Gleich. Sofort.

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