17. Dezember 2011 · 16:32
[ACHTUNG, DIESE ANALYSE WURDE AM NACHMITTAG VOM 17.12.2011 ERSTELLT UND KANN ZUM ZEITPUNKT DES LESENS DES BLOGPOSTS VERALTET SEIN!!!]
Wie ihr wisst habe ich ja – neben anderen Fehlern – auch eine leichte analytische Neigung. Die man natürlich nirgends besser ausleben kann, als im eigenen Blog. Heute nehme ich mir mal den Twitter-Account von Frank Elstner vor, der es doch sogar schon bis in die Rubrik “Meine Woche im Netz” auf der Netzfaktorei geschafft hat, meines Erachtens eine richtig gute Leistung, insbesondere wenn man bedenkt, dass Elstner aus der Welt der Massen- oder Broadcast-Medien stammt, und in dieser sehr lange erfolgreich war (was natürlich sozialisierend prägen muss).
Wer ist das eigentlich, der hinter dem Twitter-Account steht?
So richtig weiss ich das gar nicht genau. Dies deshalb, da ich seit Ende der 80er Jahre keinen Fernseher mehr habe. Als ich jedoch noch einen hatte, habe ich Elstner damals noch in Wetten, dass…? gesehen. Obwohl mich die Sendung damals wenig interessiert hat (wie Fernsehen im Allgemeinen), war es doch eine Art “Sozialveranstaltung” bei uns am Ort. Abends hat man es – da jugendfrei – zusammen mit den schon etwas größeren Kindern angeschaut, am nächsten Tag wurde es mit den Nachbarn, Kollegen, anderen Kindern besprochen. Fernsehsendungen als Vergemeinschaftungsfaktor, sozusagen. Aber selbst jetzt, Jahre nachdem ich den Fernseher abgeschafft habe, kriege ich bestimmte Dinge doch noch mit. Dass z.B. der Nachfolger Thomas Gottschalk mittlerweile aufgehört. Die Reichweite der Broadcasting-Medien ist also doch (noch) recht weitreichend.
Account-Gestaltung
Ich kann mich ehrlich gesagt gar nicht mehr so recht entsinnen, aber der Hintergrund müsste original Twitter sein, also unmodifiziert. Foto hochgeladen und (Wohn-)Ort hinzugefügt, keine Bio ausgefüllt. Kein Impressum, Kontaktdaten, Webseite etc. Ergo: Stufe eins erklommen. Demnächst stehen dann wohl Modifikation des Hintergrundes und Ergänzung der Bio an. Oder auch nicht. Man kann sich ja auch dagegen entscheiden. Wir werden sehen.
Frequenz und Inhaltliches
Durchschnittlich 9,6 Tweets pro Tag, 87 im Monat (aber der ist ja noch nicht rum). Diese Infos habe ich via Tweetstats generiert, genau wie folgende bunte Bildchen.

Anscheinend ist er Apple-Fan, denn er twittert hauptsächlich vom Mac und wenn nicht von da vom iPhone.

Seine bevorzugten Tage der Donnerstag und der Freitag, der Sonntag scheint komplett anderem gewidmet zu sein (Familie?).

Von der Uhrzeit her eher nachmittags und abends, … also kein Frühaufsteher. Oder aber einer, der in der Früh anderes macht.
Widerlegt mich, aber eine vom Inhaltlichen her thematische Ausrichtung kann ich nicht feststellen.
Kommunikationsintensität
Zunächst einmal. Jedem anderen hätte ich erst einmal ein halbes Jahr Zeit gelassen, sich auf Twitter zu finden. Es ist also schon fast ein bisschen unfair, jemanden, der noch dazu aus der Broadcast-Welt kommt, zu analysieren, und das auch noch auf Kommunikationsintensität hin. Normalerweise hätte ich fairerhalber zumindest diesen Punkt erst einmal unterschlagen. Ich behalte ihn dennoch bei, weil Elstner gar nicht mal so schlecht darin abschneidet und anscheinend schnell lernfähig ist. Klar ist, dass er ersteinmal nur wenigen (z.Zt. 22), und hier typischerweise Accounts wie satundkabel (oh mann), tagesschau (oh mann), visdp (oh mann), turi2, ArminWolf, MEEDIA folgt. Das ist eben die Welt aus der er kommt, und deren Bewertung seines Tuns für ihn wichtig. Zeit und SWR werden von ihm gerne verlinkt (so foller.me). Auch naheliegend.
Fragen muten noch so ein bisschen wie die typische Bespielung der Massenmedien an (Was für eine Krawatte?) (Wen bitte interessiert eine Krawatte??), den Menschen scheint’s aber zu gefallen. Immerhin scheint er ein selbstkritischer Typ (retweeted von ihm) mit gewissem Humor zu sein.
Strategische Verzahnung
Eine strategische Verzahnung mit anderen Social Media Kanälen kann ich nicht feststellen, allerdings kann man die gemachten Äußerungen und Bemerkungen durchaus als Verzahnung mit bzw. noch besser Verweis auf die Massenmedien interpretieren.
Erfolg des Accounts
Und immerhin hat er trotz der kurzen Zeit des Twitterns schon einen Klout-Score von 51… , 192.82 Followers ratio (Follower pro Gefolgtem), so berechnet zumindest foller.me. Recht interessant im Übrigen die Analyse via Tweeteffect, über die versucht wird, eine inhaltliche Auswirkung des Getwitterten aufzuzeigen. (Wie alle anderen Analysen aber mit Vorsicht zu genießen, da insbesondere hier mittelfristige Effekte mir schwierig einrechenbar erscheinen.)

Gelistet ist er auch schon, und zwar z.Zt. auf 75 davon, die meisten davon benamt in der Art “promis”, “celeb”, “medien”.
Folgt ihr Frank Elstner?
Ich ja ehrlich gesagt nicht. Interessant ist der Account, zumindest jetzt am Anfang, schon für mich. Dies (aus pädagogischer Sicht und) deshalb, da er verdeutlicht, dass die anfänglichen Fragen immer die gleichen sind. Was ist ein #, warum #ff und was ist ein RT, Rolle und Gebrauch von Emoticons.
Ansonsten für mich eher uninteressant, da Elstner nicht ein spezielles Thema hat, das mich interessierte, … obwohl man den Account mal unter dem Aspekt längerfristig betrachten könnte, was hinter diesem Celeb-/Promi-Gedöns eigentlich steckt. Wüsste ich das nämlich so würde ich für kuzre Zeit auch so richtig erfolgreich werden,… um mich dann endgültig ins Internet zurückzuziehen.
P.S.: Die Idee einer Analyse auf diese Art und unzählige weitere Analysetools sind zu haben im Studienheft SoMM3 (Blogs und Twitter – eine Einführung ins (Micro-)Bloggen. [Wer die Schleichwerbung weiterverfolgen will, klicke hier.]
Ein schönes Wochenende wünscht euch
die mons7