Social Learning – Teil 1

Bildquelle. Was Social Learning ist? Keine Ahnung. So meine spontane Antwort.

Bei den fünf vorstrukturierenden Gedanken von @nele_we zur Blogparade, kommt mir dann doch der eine oder andere Gedanke… die so ausufern, dass ich doch gleich mal eine Serie draus mache :) … Wer sich den Erläuterungs-Salmon sparen will, einfach flugs die fettgedruckten Überschriften durchscrollen und dann weiterklicken… ;)


*TEIL 1: Was verstehe ich unter Social Learning? (Die 3 wichtigsten Kennzeichen)*


1. Der Lehrplan wird von den Lernerinnen/Mitgliedern der Lerngemeinschaft gestrickt, verändert und weiterentwickelt.

Bewusst aufgefallen ist mir dies erstmals, als ich nach einer aufregenden Phase der Studienbrieferstellung “Grundlagen von Social Media” zufällig die beiden frisch veröffentlichten Büchlein von Schindler/Liller und Grabs/Bannour in die Hände bekam. Natürlich ist der Aufbau, der Umfang, die Schwerpunktsetzung und Tonalität der drei Werke nicht zu vergleichen. Immerhin werden ja auch ganz unterschiedliche Zielgruppen angesprochen und wir haben ja auch aus je drei unterschiedlichen Perspektiven die Thematik beleuchtet. Trotzdem konnte ich mit großer Freude feststellen, dass in den beiden andern Veröffentlichungen Beispiele zur Exemplifizierung bestimmter Aspekte benutzt wurden, die auch ich als passend ausgewählt und für relevant erachtet hatte. Dass ich Arguemtationslinien bei den anderen nicht nur für nachvollziehbar hielt, sondern gutheisse, dass irgendwie das Gefühl beim Lesen bei mir entstand, dass wir aus einer gemeinsamen Lerngemeinschaft stammen.
Unsere Ergüsse waren aus derselben Nährsuppe entstanden. Wir hatten das implizit in unserer Lerngemeinschaft ohnehin vorhandene Wissen ähnlich strukturiert, bewertet… und expliziert.

Die (logische) Folge: Die Verlagerung der Definitionsmacht dessen, was relevant ist. Nämlich auf die Mitglieder der jeweiligen Themen-Community, vertreten durch diejenigen, die die Inhalte explizit machen und publizieren. Und stellt damit eine Bedrohung dar für die, die bisher (und in traditionellen Lernsettings noch) die Definitionsmacht haben: Lehrende und Experten qua Titel und Amt. Im Vergleich zur Themen-Lern-Community lediglich Einzelne bzw. eine kleine Gruppe. Vergleichbar einer Oligarchie, der Herrschaft einiger (nach u.U. inhaltsfremden Mechanismen) ausgewählter Weniger.

Was die Frage aufwirft, welche Inhalte es beim Social Learning in den (explizit gemachten) “Kanon” “schaffen”. Die Wahrscheinlichkeit der Aufnahme in den Kanon steigt m.E. mit Aufgreifen oft gestellter Fragen/verbreiteter Problemlagen oder aber mit der Überzeugungskraft des Begründungszusammenhangs.

Konkrete Beispiele:

In dem Moment, in dem einer kritischen Anzahl von Menschen auffällt, dass die gelernte Trennung von Arbeit und Freizeit via z.B. Facebook nicht mehr aufrechtzuerhalten ist und individuell nach einer Art des Umgangs damit gesucht – und diese Bemühung(en) auch thematisiert wird (werden) – kommt eine Diskussion darüber zustande, werden philosophische Überlegungen, Strategien und (eben auch) Untersuchungen dazu publiziert.

Bedeutet das automatisch das Ende theoretischer und grundlegenderer Gedankengänge? M.E. nein. Beispiele für grundlegende öffentlich gestellte Frage, die ich unter theoretisieren subsumierte sind:

-> Das Thema “Kontrollverlust“, initiiert und immer wieder angeheizt von @mspro.
-> Das Thema “Datenschutz“, unter anderem in den Blick genommen von der @spackeria.

Die Überzeugungskraft, jene Themen als relevant und diskussionswürde/erfoschungswürdig einzuordnen entspringt m.E. der Überzeugungskraft des Begründungszusammenhangs.

2. Die Bewertung der eigenen Leistung wird von Außen auf Innen (bzw. auf die “Peers”) verlagert.

Versetzen wir uns nochmals hinein in Schule, Hochschule, betriebliche Aus- und Weiterbildung. Wer misst unsere Leistung wie? Getestet und gemessen wird von der Instanz, die die Macht hat, den Lehrplan/Kanon zu bestimmen. In der Schule zunächst die einzelne Lehrerin. In der Hochschule die einzelnen Lehrenden. Im Betrieb der Weiterbildungsanbieter, entweder eine interne Abteilung oder von extern Zugekaufte. Immer jedoch ist es eine Instanz extern vom Lerner bzw. extern von der Gruppierung der Lernenden.

Dies ist beim Social Learning grundlegend anders. Das subjektive Empfinden des Lerners in Bezug auf den Lernerfolg, das in traditionellen Settings gar sehr täuschen kann, wird zum Maß erklärt. (Während eines MOOCs z.B. werde ich explizit dazu ermuntert, meine eigenen Lehrziele zu Beginn zu explizieren und immer wieder anzupassen bzw. mit meinem (gefühlten) Lernfortschritt abzugleichen.)

Konkret:
Ich erstelle einen Podcast zum Thema “Was ist Social Learning”. Dieser ist dann fertig und damit gut in dem Moment, in dem ich entscheide, dass er fertig und gut ist.
Stelle ich diesen entweder über mein Weblog einer Hörerschaft zur Verfügung (oder alternativ über ein Portal), bekomme ich eine erneute Rückmeldung über Zugriffszahlen, evtl. Kommentare. Dieses Feedback stellt die Bewertung der Peers dar. Keine Notengebung. Kein Maßnehmen an vorher festgelegten Vergleichsstandards, … außer es handelt sich um eigene (in der Community angelegte).
[Diese können im Übrigen wesentlich strengere Maßstäbe sein, als die von traditionellen Bewertern angelegten.]

3. Rückverlagerung des Lernens aus dem Labor heraus ins Leben. Erlernen und Verwendung des Erlernten wird wiedervereinigt.

Eine der wenigen Szenen aus meiner Grundschulzeit an die ich mich erinnern kann ist jene, dass wir ein – wohlriechendes ;) – Arbeitsblatt ausgeteilt bekamen, auf dem links wohlgeordnet in Kästchen Blattformen eingezeichnet waren. Ins Kästchen daneben sollten wir die Namen der zugehörigen Bäume eintragen. (Schon) Damals habe ich mich spontan gefragt, ob man nicht einfach mal zusammen einen kleinen Spaziergang machen sollte, und wir beim Aufsagen der Baumarten die Bäume dazu angucken sollten. Wahrscheinlich jedoch befürchtete die Lehrerin, über weitere Baumarten/Pflanzen befragt zu werden, was sich via Arbeitsblatt leichtens unterbinden lässt.

Nun mag die sozialisierte Akademikerin spontan einwenden, dass dieser Rückzug ins Labor, dieser (ja immer nur auf Zeit) Rückzug in den Elfenbeiturm ja auch etwas für sich habe. So werden z.B. die Kinder eben auch verwahrt, während die Eltern ihrer Erwerbstätigkeit nachgehen… und Forscher sind (idealerweise und zeitweise) vom Unbill der Ansprüche der realen Problemstellung entbunden. Was ermöglicht, ein paar Schritte zurückzutreten und den Sachverhalt aus einer anderen/neuen Perspektive aus zu betrachten.

Ich verneine aber hiermit nicht die Notwendigkeit solches zu tun. Und denke auch, dass ein sich ins stille Kämmerlein zurückzuziehen auch im Rahmen von Social Learning nicht nur möglich, sondern absolut notwendig ist. Nur handelt es sich dann nicht mehr um dieses Entweder/Oder. Es handelt sich beim Social Learning vielmehr um die Wiedervereinigung von Theorie und Praxis. In der Person des “Social Learners”.

[To be continued.]

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